Berufsverbot für Hamer

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90 Prozent der Krebstoten könnten leben - Weil er seinen Theorien nicht abschwört - Berufsverbot für Dr. Hamer


von Bengt Pflughaupt

Wenn Dr. Ryke Geerd Hamer recht hat, muß die Schulmedizin neu geschrieben werden. Was kein Schulmediziner will. Einer kämpft gegen ein Heer von Millionen Ärzten. Ein moderner Galileo Galilei, dieser Facharzt für innere Medizin mit Wohnsitz in Köln, der aber in Burgau (Steiermark) Krebskranken von seiner "Neuen Medizin" berichtet. Ein Mann, der nicht aufgeben will. Das hat ihn seine Existenz gekostet. In Deutschland und Österreich verboten ihm die Ärztekammern, zu praktizieren. Wir können nicht entscheiden, wer im Recht ist. Wir wollen Ihnen aber über den einsamen Kampf berichten - ein Medizin-Krimi ...

Wer die Theorien von Dr. Hamer verstehen will, muß seine Lebensgeschichte kennen. Er wächst in Leer (Friesland) auf. Dort sind die Menschen traditionsgemäß dickköpfig, robust, Wind uns Wetter ausgesetzt. Knorrige Eichen im Wind, die jedem und allem trotzen. So ein Mann ist Dr. Hamer: "Sonst hätte ich all das nicht durchstehen können, ich wäre zugrunde gegangen", sagt der 57jährige.

Sein Leben läuft anfangs nach Plan. Theologie-, Medizin und Physikstudium in Erlangen. Dr. Hamer als Erfinder. 30 Patente, darunter das in Chirurgenkreisen bekannte "Hamersche Messer". 1957 Hochzeit mit der Ärztin Sigrid. Vier Kinder. Eine glückliche Familie, die andere am Glück teilhaben lassen will. Umzug nach Italien. Wunsch: Den Armen kostenlos helfen - die Patente werfen genug Geld ab. Doch dann verändert der Tod das Leben der Familie Hamer: Im Urlaub auf Korsika trifft Sohn DIRK im August 1978 eine Karabiner-Kugel. Der Schütze: Prinz Viktor Emanuel von Savoyen, der italienische Thronfolger. Vier Monate nach dem Schuß stirbt DIRK in der Heidelberger Uni-Klinik. Die Familie leidet. Psychischer Dauerstreß. Nach dem Tod seines Sohnes erkrankt Dr. Hamer an Hodenkrebs. "Mir war klar, daß das Schockerlebnis den Krebs ausgelöst hat." An der Münchner Uni-Klinik steht er als Oberarzt mit dem Tod auf du und du. "Unsere Krebspatienten starben und starben." Der Mediziner entdeckt Gesetzmäßigkeiten im Krankheitsverlauf der Patienten. Alle hatten einmal einen Schock erlitten. Daß es da einen Zusammenhang in der Geschichte zwischen Psyche, Gehirn und Organ gibt. Den "Konfliktschock", der das Leiden auslöst, nennt der trauernde Vater das "Dirk-Hamer-Syndrom" (DHS). "Denn schließlich hat es bei mir wie bei allen anderen Patienten auch den Krebs ausgelöst." So die wichtigste These von Dr. Hamer. "Inzwischen ist sie bei 20 000 Patienten nachgewiesen."

Der Klinikleitung berichtet er seine Entdeckung. Seine Chefs stellten ihn damals vor die Wahl, entweder seinen Thesen - er nennt sie "Neue Medizin" - abzuschwören oder eben gefeuert zu werden. Hamer bleibt hart und muß gehen. "Danach begann das Kesseltreiben gegen mich. Ich gelte seitdem als Ketzer, der sich gegen die Schulmedizin auflehnt. Und die reagiert wie die Inquisition vor 500 Jahren."

Die Ärztekammer in Deutschland fordert wie damals die Kirche von Galilei das Abschwören von der Theorie. Wieder das "Nein". Bevor Dr. Hamer die Approbation (Zulassung als Arzt) entzogen wird, stirbt Ehefrau Sigrid in seinen Armen. "Aus Gram über DIRKs Tod." Doch der Friese trotzt dem Sturm, den die Schulmediziner entfachen und kämpft an anderer Front gegen das italienische Königshaus und die französische Justiz. "Ich wollte Gerechtigkeit für meinen Sohn, die ich aber nie bekam. Der Prozeß war erst 13 Jahre nach dem Schuß - und der Prinz ging frei."

Nach dem Tod seiner Frau schreibt er Bücher über die "Neue Medizin", hält Vorträge, berät Krebskranke.

Kernaussage: "Wenn die Schulmediziner Chemotherapie verordnen, zum Skalpell, zum Laserstrahl oder gar zum Morphium greifen, ist der Patient verloren, denn in der Regel befindet sich der Krebskranke in diesem Stadium auf dem Weg der Besserung. Nur das wissen die Schulmediziner nicht - oder sie wollen es gar nicht wissen." Und Dr. Hamer wirft seinen Kollegen vor: "Sie lügen und sie morden, weil sie sich nicht einmal mit meiner Theorie beschäftigen. Das ist ungeheuerlich. Ich kann beweisen, daß mit meiner Behandlungsmethode 90 Prozent der Krebstoten noch am Leben wären! Als Theologe kann ich nicht ruhig mit ansehen, was hier passiert."

Warum hören denn nur wenige Kollegen auf Sie, Herr Doktor?

"Den Patienten muß die Panik vor dem Tod genommen werden"

"Pro Jahr werden in Österreich und Deutschland rund 100 Milliarden Schilling an Medikamenten verdient. Wer das sagt, wir heilen den Krebs, indem wir dem Patienten die Panik vor dem Tod nehmen, und warten dann ab, bis die Gesundung eintritt, findet natürlich bei der Chemieindustrie keine Freunde, denn dann würde ja Krebstherapie nichts kosten. Und wer sich als Arzt zu meinen Thesen bekennt, dem geht es genauso wie mir. Er soll zerstört werden. Darum schweigen fast alle."

Vor zwei Jahren gründete Dr. Hamer in Burgau ein "Zentrum für Neue Medizin". Mit der Unterstützung des Bürgermeister Wallner. Dessen Frau war vor fünf Jahren von den Schulmedizinern aufgegeben worden, bekam ein Buch von Dr. Hamer in die Hände, verfuhr wie darin beschrieben und lebt noch heute. Dann spielt das Leben Schicksal: Eines Tages klingelt es an der Tür. Ein Mann fragt, ob das Schloß zu mieten sei. Ein gewisser Dr. Hamer. Frau Bürgermeister: "Sie sind mein Lebensretter", sagt die Frau und unterstützt seitdem die "Neue Medizin".

Und da gibt es die Untersuchung des Tullner Amtsarztes Dr. Willibald Stangl, der immer wieder Anfragen in Richtung Hamer-Thesen bekommt. Er stellte Untersuchungen an 120 Personen an. Wie der deutsche Professor Stemmann urteilt auch Stangl: "Ich muß zugeben, daß die Sache in jedem Fall seine Richtigkeit hatte." Dinge, die in den Ärztekammern nicht gern gehört werden. So läßt Dr. Wolfgang Routil, Präsident der Ärztekammer Steiermark, die Mitglieder folgendes wissen: "Für das Problem, wie der Öffentlichkeits- und erheblichen Publikumswirksamkeit erfolgreich begegnet werden kann, steht eine Patentlösung allerdings nicht zur Verfügung."

Freut sich Dr. Hamer: "In Österreich sind zurzeit 200.000 Brief mit Auszügen aus der Stangl-Untersuchung im Umlauf. Auf Dauer kann meine Arbeit in der Öffentlichkeit nicht kaputtgemacht werden. Dafür sorgen die Patienten, die ich in Burgau informiere."

Dazu Dr. Helmut Hammer, Vizepräsident der steirischen Ärztekammer: "Dieser Mann ist gemeingefährlich. Er negiert die komplette Schulmedizin und erhebt für sein theoretische Pseudo-Gedankengebäude den Totalanspruch. Er beschreitet Irrwege und ist völlig uneinsichtig. Eine wirkliche wissenschaftliche Prüfung seiner Theorien ist noch gar nicht zustande gekommen."

Dr. Hamers "Neue Medizin"

Die Behauptungen des Mediziners beruhen grundsätzlich auf der Aussage, daß eine Krankheit - in der Regel Krebs - von einem Schock ausgelöst wird. Diesen Schock nennt er nach seinem Sohn Dirk-Hamer-Syndrom. Er hat Auswirkungen auf die Kommandozentrale unseres Organismus. Hamer: "Krebs entsteht im Hirn." Durch Fehlsteuerungen bilden sich Krebszellen, die jedoch nur selten zum Tode führen. Der Mediziner geht davon aus, daß Patienten, die nach seiner Methode therapiert werden, eine Überlebenschance von bis zu 95 Prozent haben. Bei der Schulmedizin bemängelt er, daß die Karzinome bestrahlt, beschnitten oder mit Chemotherapie behandelt werden, was völlig falsch sei und häufig zum Tode führe. Denn die angeblichen bösartigen Zellen seien ein Zeichen dafür, daß der Krebs ausheile. "Die Patienten müssen bis zu acht Wochen Schmerzen aushalten, dann sind sie über den Berg." Man müsse nur den Patienten die Panik vor dem Krebs und vor dem Tod nehmen. Das reiche aus, um gesund zu werden.

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